Kreisgruppe Braunschweig

Projekt

I. Vorstellung Projektantragsteller – Kreisgruppe BUND Braunschweig

 

1. Antragsteller

 

BUND Kreisgruppe Braunschweig

Schunterstraße 17

38106 Braunschweig

Tel: 0531- 1 55 99

Fax: 0531- 4 73 82 96

www.braunschweig.bund.net

www.facebook.com/BUND-Braunschweig

 

2. Kurzprofil Antragsteller

 

Der BUND Braunschweig

I. ist ein anerkannter Naturschutzverband und als gemeinnütziger Verein eingetragen.

II. betreibt in Braunschweig eine Geschäftsstelle inkl. Geschäftsführer mit einem Ladenbüro als zentrale Anlaufstelle für Interessierte & Aktive inkl. einem umfangreichen Angebot von Info-Materialien.

III. ist Einsatzstelle für Absolvierende eines Freiwilligen Ökologischen Jahrs (in den letzten Jahren stets zwei Stellen besetzt).

IV. ist seit 1980 in Braunschweig und Umgebung aktiv.

V. hat aktuell ca. 1200 Mitglieder.

VI. ist aktiv in verschiedenen Arbeitsgemeinschaften.

 

Weitere Aktivitäten sind die Betreuung einer Kindergruppe, Kooperationen mit Schulen (z. B. Insektennisthilfe Vossenkamp), Unterstützung von überregionalen Aktivitäten (z. B. Insektennisthilfe in Kooperation mit dem „Netzwerk Wildbienenschutz“ und dem Grünflächenamt Braunschweig), Kooperationen mit dem Grünflächenamt Braunschweig (Projekt „Ökologische Wiesenpflege“, „Tag des Baumes“), Infostände/ Pressearbeit, Stellungnahmen zu aktuellen Bau-/ Infrastrukturprojekten im Stadtgebiet Braunschweig sowie Durchführung von geführten Exkursionen.

 

Hervorzuheben ist an dieser Stelle die Arbeitsgemeinschaft Biotopschutz, die in Braunschweig und der Region zurzeit mehr als 20 Biotope pflegt. Dabei kann die AG Biotopschutz auf ca. 30 aktive Mitglieder zurückgreifen und so jeden Freitag und jeden zweiten Samstag bei jeder Wetterlage aktiv Naturschutzarbeit erbringen. Pro Kalenderjahr ergibt sich daraus eine Arbeitsleistung von ca. 2700 Ehrenamtsstunden.

Die AG Biotopschutz ist vorrangig auf Flächen tätig, die ihr zur Betreuung langfristig überlassen werden. Aufgrund der bisher erzielten Erfolge der AG in der Region Braunschweig sind bereits Flächen in anderen Landkreisen der AG Biotopschutz zur Betreuung anvertraut worden. So werden z. B. Flächen im Landkreis Wolfenbüttel, im Landkreis Helmstedt und im Landkreis Peine erfolgreich seit vielen Jahren betreut.

Dieses Vertrauen wird der AG Biotopschutz auch seitens der Privatwirtschaft gezeigt, so dass weitere Betreuungsflächen dem aktiven Naturschutz zur Verfügung gestellt wurden, u.a. seitens BS Energy.

 

Zudem versucht die Kreisgruppe Braunschweig, weitere Firmen, Betriebe und Gewerbe für den Natur- und Umweltschutz zu gewinnen und deren Mitarbeitende für den Naturschutz zu begeistern. Vom BUND werden dafür Geräte und Flächen zur Verfügung gestellt, die Betriebe stellen interessierte Mitarbeitende für gemeinsame Aktionen frei.

 

Beispiele dafür sind Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Projekt „Brücken bauen“ der Bürgerstiftung Braunschweig oder gemeinsame Biotopschutzeinsätze mit Betriebsratsreferenten/innen der Volkswagen AG/ Wolfsburg.

 

3. Auszeichnung UN Dekade Biodiversität

 

Der BUND Braunschweig hat sich 2019 mit seinem „Lebenswerk“, der langjährigen ehrenamtlichen Tätigkeit im Bereich der Biotoppflege als Preisträger für die UN-Dekade biologische Vielfalt beworben.

Unter dem Motto „Blühende Wiesen und Magerrasen – ein Eldorado für Insekten“ wurden dabei einige der langjährig betreuten Flächen des BUND Braunschweigs und deren Besonderheiten vorgestellt. In der Bewerbung sollte auch zum Ausdruck gebracht werden, dass Umwelt- und Naturschutz nur durch langfristiges Engagement nachhaltig sein kann und Maßnahmenplanung und –förderungen auch darauf orientiert sein sollten. Umwelt- und Naturschutz braucht dafür nicht beständige Innovation oder „Leuchtturmcharakter“.

Im Juli 2020 haben wir dann erfahren, dass der Projektvorschlag des BUND Braunschweig die Jury überzeugt hat und im Rahmen der UN-Dekade Biodiversität ausgezeichnet wird.

 

Für umfangreichere Infos sind die Antragsunterlage unter:

https://www.undekade-biologischevielfalt.de/projekte/aktuelle-projekte-beitraege/detail/projekt-details/show/Wettbewerb/3469/?no_cache=1 nachzulesen.

 

 

II. Projektstandort und Zeitplan

 

Das Projekt „Erhaltung von vitalen Hecken, Waldrändern, Bachsäumen und Kopfweiden“ wurde  an mehreren Standorten im Stadtgebiet von Braunschweig durchgeführt.

 

Projektstandort 1 ist der „Sandbach“ (Bild 1, 2). An einem Abschnitt des Sandbachs zwischen Schapen und Hordorf betreut der BUND Braunschweig die Bereiche nördlich und südlich des Bachs oberhalb der Böschungskante. Die Betreuung umfasst vorrangig das Schneiteln von ca. 140 Kopfweiden sowie das Beseitigen von Windwurfbäumen, die auf die Weideflächen fallen (Bild 3a).

 

Projektstandort 2 ist das Gebiet der „Weinlage“ (Bild 1, 2). In diesem Bereich betreut der BUND Braunschweig extensiv genutzte Rinderweiden. Die Weideflächen sind mit einer zu drei Seiten angrenzenden Wildschutzhecke umgeben. Die Weideflächen werden durch den Verein für eine ordnungsgemäße Beweidung instand gehalten, z. B. durch die Ersetzung von Weidepfosten und des Stacheldrahts sowie durch Rückschnitt der Wildschutzhecke. Zu Beginn der Weidesaison erfolgt zudem eine Mahd unter den Zäunen, so dass die Stromlitze weitestgehend erdungsfrei betrieben werden kann. Da die Weideflächen weder über einen Stromanschluss noch über Solarpaneele verfügen, ist es wichtig, beim Batteriebetrieb Erdungsverluste so weit wie möglich zu vermeiden. Vor und nach der jährlichen Beweidung wird die Stromlitze montiert bzw. demontiert, um das Hindurchwechseln von Tieren durch den Zaun zu erleichtern, aber auch um eine unnötig schnelle Alterung durch UV-Strahlung und mechanische Beschädigung zu vermeiden. Weiterhin wird in besonderen Bereichen nach der Beweidung nachgemäht und das Mähgut abgetragen, um hier eine weitere Aushagerung der Fläche zu erreichen, so z. B. in Wuchsbereichen des Färberginsters oder der Kümmelblatt-Silge.

 

Projektstandort 3 ist die „Sandbeekswiese“ (Bild 1, 2). Die Sandbeekswiese ist ebenfalls ein Betreuungsbiotop des BUND Braunschweig. In diesem Bereich wird zur Vorbereitung der Mahd um die auf der Wiese vorhandenen Büsche sowie an der Waldkante mit einem Einachs-Balkenmäher gemäht, da mit dem größeren, Balkenmähwerk (Auftragsmahd mit Traktor) nicht so dicht an die Büsche herangefahren werden kann. Auf diese Weise werden Schäden am Mähwerk vermieden. Weiterhin wird die Wiese nach dem Pressen der Heuballen durch den Verein nachgeharkt. Im Herbst werden Büsche und Sträucher zurückgeschnitten.

Die Sandbeekswiese ist Teil des Natura 2000 Gebiets mit der Nds. Nr. 103, der Melde-Nr. 3729-301 und dem Namen „Pfeifengras-Wiese bei Schapen, Schapener Forst“.

 

Projektstandort 4 ist die „Wildschutzhecke – nördlich Sandbach“ (Bild 1, 2). An die Weideflächen nördlich des Sandbachs grenzt unmittelbar auf der gesamten Länge (ca. 600 m) eine Wildschutzhecke, die Heckenpflege zur Instandhaltung des Weidezauns wird ebenfalls durch den BUND durchgeführt.

 

 

Der Projektstart fand im September 2021 statt. Das Projekt wurde im März 2022 abgeschlossen.

 

III. Projektbeschreibung

 

1. Projektidee
 

Die Grundidee des Projektes ist die Erhaltung bzw. Erhöhung der Biodiversität im Stadtgebiet Braunschweig, insbesondere durch den Erhalt bzw. die Steigerung der Vitalität von Hecken und Bachsäumen als vernetzte Strukturen, Waldrändern und Weidenbüschen auf Wiesenbereichen.

 

Gleichzeitig soll an den Projektstandorten die Möglichkeit erhalten bleiben, Natur zu erleben. Damit sich die interessierte Öffentlichkeit im praktischen Natur- und Umweltschutz einbringen kann, braucht es entsprechende Biotope, wo sie wohnortnah aktiv werden kann.

 

2. Übergeordnete Strategie - Projektbegründung (Notwendigkeit)

 

Das Projekt dient vorrangig dem Erhalt und der Erhöhung der Biodiversität im Siedlungsraum.

 

Am Projektstandort 1 „Sandbach“ soll das Projekt an die im Jahr 2019 erfolgte Aufwertung des Gebietes, durch die Ausweitung der Rinderbeweidung auf den unmittelbaren Bachlauf anschließen (https://braunschweig.bund.net/erweiterung-der-beweidung-am-sandbach/). Bei dem „Ausgangsprojekt“ geht es vorrangig darum, zu evaluieren, inwieweit eine direkte Beweidung des Bachlaufes des Sandbachs Strukturveränderungen hervorruft, die sich positiv auf die Fisch- und Libellenpopulation, das Makrozoobenthos und die Bachvegetation auswirken. Durch die Beweidung soll die Beschattung des Gewässers verringert werden, so dass auch besonnte bzw. lichtdurchlässigere Abschnitte entstehen. Nach der unmittelbaren Renaturierung des Sandbachs waren solche artenreicheren Abschnitte noch vorhanden, die in den letzten Jahren durch den üppigen Baum-, Busch- und Schilfaufwuchs größtenteils verschwunden sind. Zur späteren Erfolgskontrolle wurden Gutachten zur Erfassung der Ausgangssituation erstellt. Um auch andere Einflussfaktoren besser ausschließen zu können, erfolgt die Beweidung nur auf einem Teilabschnitt der vom BUND Braunschweig betreuten Flächen. Somit können die Veränderungen in den jeweiligen Abschnitten verglichen werden und ein Indiz dafür sein, ob sie durch die Beweidung oder anderweitige Faktoren hervorgerufen sind.

 

An den Projektstandorten 2 „Weinlage“ und Projektstandort 4 „Wildschutzhecke – nördlich Sandbach“ besteht die Notwendigkeit darin, die Vitalität dieser Hecken zu erhalten. In regelmäßigen Abständen ist der Aufwuchs auf den Stock zu setzen, so dass die Deckungs- und Schutzfunktion für Niederwild, Kleinsäuger wie z. B. Bilche, Amphibien und Insekten erhalten bleibt.

 

Am Projektstandort 3 „Sandbeekswiese“ ist das übergeordnete Ziel dieser Maßnahme, den Erhaltungszustandes A der Wiese (Natura 2000 Gebiet) zu bewahren. Bei dem vorzunehmenden Rückschnitt sind insbesondere die von den Weidenbüschen ausgehenden Wechselwirkungen mit der Wiese zu beachten. Einerseits bieten die Weidenbüsche wichtige Brutbereiche für Vögel wie den Neuntöter, andererseits dürfen sie sich nicht weiter über die geschützte Pfeifengraswiese ausbreiten. Außerdem ist ein begrenzter Schattenwurf für bestimmte Pflanzenarten förderlich. Diese Wechselwirkungen erfordern ein selektives und maßvolles, sich beständig wiederholendes Zurückschneiden der Büsche. Das dabei anfallende Astwerk ist zwingend von der Wiese zu verbringen und kann nicht im Umfeld gelagert werden. So stellt das Schreddern des Astwerks vor Ort die effektivste Methode bei der Pflege der Büsche auf dieser Wiese dar.

 

Der letzte Bericht zur Biodiversität der IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) schlägt Alarm, weil die Artensterberate noch nie so hoch war wie aktuell und Gegenmaßnahmen lokal und global notwendig sind, um diesem entgegenzuwirken.

 

Das Projekt soll einen lokalen Beitrag an den Standorten 1-4 leisten, die Biodiversität zu erhalten und eine bessere Vernetzung von Biotopen zu ermöglichen.

 

 

IV. Maßnahmen

 

Erste Voraussetzung, um das Projekt an den vorgesehenen Standorten durchführen zu können, war die Beschaffung eines Schredders. Die besonderen Anforderungen waren dabei, ein mobiles Geräte zu finden, welches an unterschiedliche Einsatzorte verbracht werden kann, dabei eine gewisse Geländetauglichkeit für weiche Böden aufweist, eine hinreichende (Häcksel-)Leistung hat, die über einen Freizeitgebrauch hinausgeht, und dabei aber nicht so schwer ist, so dass eine höhere Bodenverdichtung vermieden werden kann. Außerdem musste dieses Gerät in Zeiten der Corona-Pandemie im Zeitrahmen des Projektes auch noch lieferbar sein und dennoch im eingeplanten Budget bleiben. Das angeschaffte Geräte der Firma Vogt hat unsere Erwartungen bisher voll erfüllt und sich im Projekt bewährt.

 

1. Projektstandort 1 „Sandbach“

 

Im Bereich des „Sandbachs“, d. h. nördlich und südlich von dessen Böschungskante bis zu den angrenzenden Weide- und Wiesenflächen, ist der Bach von einem Gehölzstreifen umgeben sowie von einzelnen Bäumen. Unter anderem sind in diesem Bereich auch umfangreiche Kopfweidenpflanzungen erfolgt. In diesem Bereich wurden in verschiedenen Abschnitten Kopfweiden geschneitelt. Das anfallende Astwerk wurde zusammengetragen und vor Ort geschreddert und teilweise zu Habitaten für Kleinlebewesen aufgehäuft.

 

Bild 3 zeigt ein besonders prächtiges Exemplar einer Kopfweide vor dem Schneiteln und Bild 4 entsprechend nach dem Schneiteln.

Auf dem Bild 5 ist ein mit Hackschnitzeln angelegtes Habitat für Kleinlebewesen zu sehen. In Bild 6a und 6b sind die Bereiche markiert, in welchen die ca. 50 Bäume geschneitelt wurden. Deren Astwerk wurde zusammengetragen und geschreddert, die Hackschnitzel wurden abtransportiert.

 

2. Projektstandort 2 „Weinlage“

 

Der Projektstandort 2 „Weinlage“ ist dadurch gekennzeichnet, dass eine Rinderweide eine dreiseitige Heckenumrandung aufweist. Die Hecke dient in diesem Bereich als Schutz- und Habitathecke und besteht überwiegend aus einem älteren Schlehenbestand (ca. 80 %) und einem aufwachsenden Eichen- (ca. 15 %) und Pappelbestand (ca. 5 %).

Als vorrangige Maßnahme, um auch anderen Sträuchern ein Aufwachsen zu ermöglichen, wurde  die Hecke in vier Abschnitten von ca. 10 - 20 Metern auf den Stock gesetzt.. Zudem wurden zwei Schlehengruppen auf der Fläche teilweise ebenfalls auf den Stock gesetzt (Bild 7-10). Um nicht die Funktion der ganzen Hecke auf einmal komplett aufzuheben, sollen nun sukzessive über mehrere Jahre weitere Abschnitten der Hecke auf den Stock gesetzt werden. .

Auch hier wurde das angefallene Schnittgut  unmittelbar im Bereich der Hecke gehäckselt, ein kleiner Teil wurde auch hier gezielt als Habitat angehäuft, u. a. als Überwinterungsangebot für Blindschleichen.  

 

3. Projektstandort 3 „Sandbeekswiese“

 

Am Projektstandort 3 „Sandbeekswiese“ wurden etwa die Hälfte der auf der Wiese vorhandenen Büsche zurückgeschnitten und auch hier wurde das Astwerk zusammengetragen und gehäckselt (Bild 11-14). Die Pflege wird in den kommenden Jahren sukzessive weitergeführt .

 

4. Projektstandort 4 „Wildschutzhecke – nördlich Sandbach“

 

Am Projektstandort 4 „Wildschutzhecke – nördlich Sandbach“ sind wie am Projektstandort 2 „Weinlage“, Abschnitte der Wildschutzhecke auf den Stock zu setzen, um deren Vitalität zu erhalten. Da die Hecke beständig auch in Richtung der Weideumzäunung wächst, war eine Maßnahme auch ein Zurückschneiden der Hecke in ganzer Länge (Bild 15-17).  Ein darin bereits angelegter Hackschnitzelhaufen wurde  aufgefüllt, so dass dessen Funktion erhalten bleibt. In einem anderen Abschnitt wurde ein weiterer Hackschnitzelhaufen angelegt..

 

V. Welchen Beitrag zur nachhaltigen Erhaltung und zum Schutz der Umwelt oder zur Verbesserung ihrer Qualität leistet das Projekt?
 

Das oberste Ziel der Maßnahmen ist die Erhaltung und Förderung der Biodiversität. Dies erfolgt durch den Erhalt von vitalen Hecken-, Bachlauf- und Waldrandstrukturen im Siedlungsbereich des Stadtgebiets von Braunschweig. Diese Strukturen können nur durch eine gezielte Pflege erhalten werden. Diese Pflege muss dabei so schonend wie möglich erfolgen. Alle Maßnahmen sind in  begrenzten Abschnitten erfolgt, so dass ausreichende Ausweichbereiche mit den entsprechenden Strukturen weiterhin vorhanden sind.

 

Insbesondere die Maßnahmen am Bachlauf des Sandbachs (Projektstandort 1) haben hinsichtlich der folgenden Aspekte einen nachhaltigen Beitrag.

 

a) Ökologie

Die Maßnahme fördert die Ökologie, d. h. die Wechselbeziehung zwischen Lebewesen und ihrer Umwelt derart, dass der Faktor Licht durch die sich verändernde Sonneneinstrahlung für die Lebewesen am und im Bach verbessert wird. Dies wird unter anderem durch das Schneiteln von Kopfweiden in unterschiedlichen Abschnitten des Bachlaufs und selektives Entfernen von Gehölzaufwuchs erreicht. Gleichzeitig werden durch die Beweidung auch Strukturen der Kulturlandschaft (hier: Kopfweiden durch Verbiss) entwickelt, die eine andere Sonneneinstrahlung bewirken, als dies ohne Beweidung der Fall wäre. Der Einfluss dieser Faktoren wird dahingehend kontrolliert, dass in einem entsprechenden Referenzabschnitt mit identischer Länge die Maßnahmen nicht durchgeführt werden, so dass man zukünftig einen unmittelbaren Vergleich hat.

Die besondere Eignung des Sandbachs ergibt sich daraus, dass es sich um ein vor längerer Zeit renaturiertes Gewässer handelt. Zudem wurde das Gewässer über die Jahre intensiver betreut und beobachtet, als dies bei anderen Gewässern ggf. der Fall ist, da die angrenzenden Flächen teilweise einem FFH-Gebiet (Natur 20000) angehören und in diesem unmittelbaren Bereich des Bachlaufs keine intensive Landwirtschaft erfolgt.

Die Nähe der TU Braunschweig sorgt außerdem für die Möglichkeit der Einbindung von Wissenschaftlern und Studierenden.

Die fachliche Ausführung, insbesondere der Begutachtung hinsichtlich Flora und Fauna, erfolgte durch beauftragte Gutachter mit entsprechender Expertise und soll in angemessener Zeit wiederholt werden.

 

Vitale Hecken leisten einen Beitrag zur Ökologie insbesondere in landwirtschaftlich genutzten Bereichen, da sie einen wichtigen Lebensraum für viele Tierarten, aber auch Vernetzungslinien darstellen. Die Hecken der Projektstandorte „Weinlage“ aber auch „Wildschutzhecke - nördlich Sandbach“ sind jeweils von der anderen Seite, die nicht Betreuungsfläche des BUND Braunschweig ist, von intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen begrenzt, so dass hier eine ökologische „Nische“ für die Fauna erhalten bleibt.

 

b) Gewässerentwicklung

Mit der Maßnahme wird ein Gewässerentwicklungskonzept im Sinne der WRRL verfolgt, das die Erreichung eines guten ökologischen Zustands des Oberflächengewässers „Sandbach“ zum Ziel hat. Dieser ist in erster Linie auf die Vielfalt vorhandener Pflanzen- und Tierarten ausgerichtet. Vorausgesetzt wird dabei eine naturnahe Gewässerstruktur.

Das Ufer des Sandbachs ist in den letzten Jahren immer stärker zugewachsen. Die Vegetation lässt nur noch sehr wenig Licht auf den Bachlauf fallen. Verschiedene Beobachtungen legen nahe, dass im Vergleich zu den Jahren direkt nach dessen Renaturierung ein Artenrückgang an aquatischen Organismen zu verzeichnen ist. Die Krautvegetation weist keine hohe Artenvielfalt auf. So heißt es in einem Gutachten von Dipl.-Biologe Stefan Grote: „Für eine Entwicklung der typischen bachbegleitenden Krautfluren wäre eine Auflichtung der Gehölzbestände und die Zurückdrängung der ausdauernden Ruderalfluren und Landröhrichte notwendig. Die geplante Einbeziehung der ufernahen Bereiche in eine Rinderbeweidung ist dazu eine geeignete Maßnahme und könnte bei ausreichender Intensität für die notwendige Schaffung offener Pionierstandorte in der amphibischen Zone führen.“

Auch hinsichtlich der Vielfalt der Tierarten folgt das Entwicklungskonzept dem Ziel, einen guten ökologischen Zustand im Sinne der WRRL zu erreichen. Der ursprüngliche Renaturierungszweck des Sandbachs umfasste z. B. auch die Schaffung eines Lebensraums für die FFH-Fischart Bachschmerle. Das völlige Fehlen der Arten Aal und Hecht und die durchaus standorttypisch anzutreffenden Fischarten Bachneunauge, Döbel, Rotfeder, in den kiesigen Bereichen auch durchaus die Bachforelle, sind nicht nachzuweisen. Für diese Arten ist die aktuelle Habitatausstattung unzureichend. Mit der Beweidung eines Teils des Gehölzsaums soll mehr Durchlichtung erreicht werden, um die Entwicklung von gewässertypischer, bachbegleitender Vegetation zu ermöglichen. Fische können prinzipiell davon profitieren. Viele Arten sind auf derartige Vegetation als Laichsubstrat angewiesen. Darüber hinaus bieten gut ausgeprägte Pflanzenpolster am Ufer schützende Einstände für die Jungfische zahlreicher Arten, aber auch notwendige Verstecke für Lauerjäger wie Hechten. Für Aale sind dichte Pflanzenpolster im Wasser in der Regel die einzigen Versteckmöglichkeiten in Bächen als ihrem natürlichen Lebensraum, so die Einschätzung des Dipl.-Biologen Ingo Brümmer.

Von dem Entwicklungskonzept ebenfalls profitieren sollen die die Gewässersohle von Fließgewässern besiedelnden Makrozoobenthos-Arten. Diese spielen in einem Ökosystem eines Fließgewässers eine bedeutende Rolle und sind zudem ein hervorragender Bioindikator für die Wasserqualität oder den strukturellen Zustand der Gewässer. Mit Hilfe des Makrozoobenthos ist somit eine umfassende Bewertung von Fließgewässern möglich. Letztendlich werden Auswirkungen auf die Population von Libellen erwartet.

 

c) Naturschutz

Die Zielsetzung des Naturschutzes besteht in der Erhaltung der Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Natur, Landschaft und Wildnis sowie in der Erhaltung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes, wobei eine nachhaltige Nutzbarkeit der Natur durch den Menschen angestrebt wird.

Diese Zielsetzungen des Naturschutzes verfolgt das Projekt. Das Hauptziel der Maßnahme ist die Erhöhung der Vielfalt der Natur durch eine entsprechend erhöhte Artenzahl von tierischen und pflanzlichen Lebewesen im Gewässer sowie im direkten und indirekten Böschungs- und Uferbereich.

Insbesondere die Pflege und ggf. Verwertung der Biomasse der Kopfweiden verkörpert eine nachhaltige Nutzung der Natur. Die Flächen können so für die Gewinnung von nachhaltigen Brennstoffen genutzt, dass sie parallel dem Erhalt und der Entwicklung der historischen Kulturlandschaft dienen. Damit werden Lebensräume für Lebewesen geschaffen, die auf diese Art der Nutzung angewiesen sind. Da diese Art der Nutzung aber außerordentlich aufwendig ist, stellt das Projekt aus unserer Sicht einen besonderen Beitrag zum Naturschutz.

Die Biodiversität wird durch die Pflege von Kopfweiden gefördert. „Alte, dickstämmige Kopfbäume zählen zu den insektenreichsten Pflanzen Mitteleuropas und werden von zahlreichen Totholzbewohnern - darunter zum Teil seltene Käferarten – besiedelt“ (https://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/naturschutz/biodiversitaet/kopfbaeume/index.htm).

 

Hecken leisten ebenfalls einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz, da sie, insbesondere wie oben ausgeführt in Bereichen mit intensiver Landwirtschaft eine ökologische Nische darstellen, und Nahrung, vor allem Blüten und Früchte, Nist- und Brutplätze sowie Schutz für Kleintiere bieten.

 

 

VI. Projekt gem. Ziffer 2.3 der Richtlinie - Leistet das Projekt einen besonderen Beitrag zu Biotopvernetzung?

 

Das Projekt leistet auch einen Beitrag zur Biotopvernetzung, insbesondere werden durch den Erhalt von vitalen Hecken „Trittsteine“, vorrangig durch den Standort 4 „Wildschutzhecke-nördlich Sandbach“ sowie „Verbundachsen“, vorrangig durch die Wildschutzhecke am Projektstandort 2 „Weinlage“ zwischen dem Schapener Forst (FFH Gebiet) und dem nördlichen Wäldern (Gebiet Essenrode) geschaffen (Nord-Südachse).

 

Der Sandbach mit einer Länge von 11,6 km und einem Einzugsgebiet von 33,87 km2 ist ein wichtiger Zulauf der Schunter. Im Bereich des Sandbachs wurden in den vergangenen Jahren einige Projekte zur Renaturierung des Baches durchgeführt. So wurde der weitere Mündungsbereich umfassend umgestaltet. Auch ein Abschnitt stromab der Straßenbrücke Schapen-Hordorf bekam ein neues Bett.

 

Der Bachsaum und der Sandbach selbst am Projektstandort 1 „Sandbach“ stellen insbesondere in Ost-West-Richtung entlang des Gewässers eine Verbundachse (vorrangig für Fische, Libellen und Makrozoobenthos) dar. Der Sandbach mündet bei Querum in die Schunter und ist so auch mit den Renaturierungsbereichen der Schunter vernetzt.

 

Im Jahr 2019 wurde mit dem Projekt des BUND „Erweiterung der Beweidung am Sandbach“ die Beweidung unmittelbar auf einen definierten Abschnitt des Sandbachs erweitert (https://braunschweig.bund.net/erweiterung-der-beweidung-am-sandbach/).

Im Rahmen dieses Projektes wurden mehrere Gutachten (Anlage 1-3) zum Biotop „Sandbach“ erstellt (Vegetation, Fische, Libellen und Makrozoobenthos). Die Gutachten geben auch Empfehlungen zu weiteren Maßnahmen, um eine Erhöhung der Biodiversität und des Artenreichtums im Sandbach zu erreichen.

Am 16.07.2020 wurden in einem gemeinsamen Termin mit den Gutachtern die Ergebnisse und mögliche Maßnahmen diskutiert.

Eine Maßnahme sieht vor, Abschnitte verstärkt von Baum- und Buschwerk freizustellen. Um diese Maßnahme umzusetzen, sind die dabei anfallenden, nicht unerheblichen Mengen an Astwerk ebenfalls zu entsorgen, was effektiv vor Ort erfolgt, d. h. das Astwerk wird  unmittelbar vor Ort geschreddert.

 

 

VII. Bilder, Fotos und Hinweisschild

Bild 1: Lageplan Projektstandorte

Bild 2: Lageplan Projektstandort 1-4

Bild 3: Kopfweide im Bereich des Sandbaches VOR dem Schneiteln

Bild 4: Kopfweide im Bereich des Sandbaches NACH dem Schneiteln

Bild 5: Hackschnitzelhaufen als Habitat für Kleinlebewesen

Bild 6a: Bereiche, in welchen Kopfweiden geschneitelt wurden.

Bild 6b: Bereiche, in welchen Kopfweiden geschneitelt wurden.

Bild 7: Bereiche auf der Weinlage, in welchen Heckenabschnitte auf den Stock gesetzt wurden.

Bild 8: Schlehengebüsch auf der Weinlage VOR dem Rückschnitt

(rot Linie = ca. hälftige Buschtrennung).

 

Bild 9: Schlehengebüsch auf der Weinlage NACH dem Rückschnitt.

 

Bild 10: Heckenabschnitt auf der Weinlage NACH dem Rückschnitt. Im hinteren Randbereich sind Büsche verblieben, um so einen kleinen Schutz gegen ausgebrachte Spritzmittel auf den angrenzenden Landwirtschaftsfläche zu erhalten.

 

Bild 11: Zurückgeschnittene Gehölzgruppen auf der Sandbeekswiese.

Bild 12: Schredder mit Anhänger im Bereich der Sandbeekswiese, der mit Planen ausgekleidet ist, um möglichst kein Schreddergut auf der Fläche zu verlieren (d.h. um Nährstoffeintrag zu verhindern).

Bild 13: Beispiel eines zurückgeschnittenen Weidenbusches auf der Sandbeekswiese.

 

Bild 14: Nachharken im Bereich der zurückgeschnittenen Weidenbüsche auf der Sandbeekswiese, um auch hier möglichst einen hohen Nährstoffentzug zu erhalten.

 

 

Bild 15: Wildschutzhecke an den Zäunen nördlich des Sandbachs VOR dem Rückschnitt.

 

Bild 16: Wildschutzhecke an den Zäunen nördlich des Sandbachs NACH dem Rückschnitt mit dem Schnittgut, welches bereits über den Stacheldraht geräumt wurde, um dann geschreddert zu werden.

 

Bild 17: Schreddereinsatz an der Wildschutzhecke an den Zäunen nördlich des Sandbachs inkl. Abtransport der Hackschnitzel.

 

 

Bild 18a: Hinweisschild über die Maßnahme und die Förderung

 

Bild 18b: Hinweisschild über die Maßnahme und die Förderung

 

 

Gefördert durch: